Warum du unbedingt Öffnungszeiten im Homeoffice brauchst

Öffnungszeiten? Jetzt schau nicht so verdattert, nur weil du kein Ladengeschäft in Darmstadt City hast. Ich sage dir: du brauchst trotzdem Öffnungszeiten. Für dich.

Immer Bereitschaft

Wahrscheinlich geht es dir wie mir und du arbeitest immer dann, wenn du die Möglichkeit dazu hast. Ich arbeite, wenn die Kinder im Kindergarten sind. Aber für Vorträge oder Workshops auch an Abenden oder nach Bedarf am Wochenende.

Das macht es für mich aus: die Freiheit, nicht zu festen Zeiten arbeiten zu müssen. Denn dann kann ich immer dann für die Kinder da sein, wenn sie mich am meisten brauchen (und wenn sie wach sind).

Flexible Arbeitszeiten sind allerdings nicht immer ein Vorteil.

Deine Kunden gewöhnen sich daran, dass du immer ans Telefon gehst und rund um die Uhr E-Mails beantwortest. Das erwarten sie dann von dir und sind enttäuscht oder sogar verärgert, wenn sie warten müssen. Du bist im Umkehrschluss immer auf Abruf. 24 Stunden Bereitschaft. Ohne Zulage versteht sich. Das finde ich gefährlich.

Lege Öffnungszeiten fest

Feste Öffnungszeiten geben deinen Kunden und Kooperationspartnern Sicherheit. Sie wissen, wann sie dich erreichen können und geben dir in den Phasen dazwischen die Ruhe und Zeit, die du brauchst, um dich um deine Familie zu kümmern oder schlicht und ergreifend deinen Akku wieder aufzuladen.

Bring deinen Kunden also gar nicht erst bei, dass du immer erreichbar bist. Nimm dir Auszeiten, gönn dir Pausen und ermögliche es dir, das Handy auch mal weg zu legen. Um langfristig Leistung zu bringen, brauchst du Ruhephasen UND Ruhe, um zu Arbeiten.

Mal schnell einen Blogartikel schreiben, während die Kinder sich allein beschäftigen: oh ja bitte gerne! Aber nur, weil ich WILL und nicht, weil ich es MUSS!

ACHTUNG: gilt auch für meinen Mann!

Regel Nummer 1: wenn die Mama arbeitet, dann arbeitet sie. ENDE. Bis das in allen Köpfen ganz klar verankert war, das hat gedauert.

Da wir mehr Kindergarten-Schließtage als Urlaubstage haben, teilen wir uns das ein und wechseln uns da ab. Einer arbeitet, einer betreut in der Zeit die Kinder. Mein Mann fährt ja in so einem Fall zur Arbeit, er ist dann weg und nicht ansprechbar. Ich setze mich an meinen Schreibtisch.

Die Versuchung, mich ständig anzusprechen und einzuteilen scheint groß zu sein. Für alle Familienmitglieder. Da musste ich konsequent meine Grenzen ziehen.

Das bedeutet: mein Mann kann nicht einfach einen Inspektionstermin machen und die Kinder so lange bei mir lassen. “Aber du bist doch zu Hause”. Wäre ich im Büro würde sich diese Frage nie stellen. Schon der Gedanke daran, dass ich das anders herum auch mal so mache….. SKANDAL! (denn er muss ja weg).

Auch Botengänge erledige ich keine mehr. Mein Mann hat es während seiner Arbeitszeiten genau so weit wie ich zur Post, Bank, Supermarkt oder Apotheke.

Wenn ich während meiner Arbeitszeit eine lange Pause einlegen will, um mit den Kindern zu spielen oder einkaufen zu gehen oder für den Haushalt, dann möchte ich das selbst entscheiden. Die Konsequenz ist nämlich, dass ich mich am selben Abend noch an den Rechner setzen muss, um das nachzuarbeiten. Im besten Fall. Manchmal habe ich auch Kundentermine…. die muss ich dann absagen. Das finde ich schon sehr unprofessionell.

Wenn ich arbeite, möchte ich nicht ständig angesprochen werden. Ich arbeite. Als ich meinen Mann gefragt habe, ob er mich deswegen jetzt auch im Büro anrufen würde, oder ob das auch bis “nach der Arbeit” warten kann, war das ein totaler AHA-Moment für uns beide.

In diese neue Situation mussten wir alle erst rein wachsen. Auch ich. In der Elternzeit habe ich für meinen Mann gern und oft alle diese Dinge übernommen. Das war dann nach der Elternzeit deutlich schwerer für uns alle, da neue Grenzen zu ziehen und auch einzuhalten. Denn ich war ja weitestgehend meine eigene Chefin. Warum sollte ich mir da nicht erlauben, meinem Mann etwas abzunehmen, wenn er doch so viel zu tun hat? Ganz einfach: weil ich dann zu nichts komme. Ich kann Kundenprojekte nicht fertig stellen und das geht nicht. In der Arbeitszeit wird gearbeitet. An MEINER Arbeit 😉

SKANDAL: gilt auch für die Kinder!

Gerade weil ich mein Büro in unserem Wohnzimmer habe, muss ich hier besonders auf mich (und meine Arbeitszeit) aufpassen. Ach und natürlich auch auf meinen Schreibtisch. Den lieben meine Kinder wirklich sehr. Da werden gern alle möglichen Dinge abgelegt und auch meine “Malsachen” werden immer mal wieder ausprobiert. Auf meinem Google Analytics Vertrag ist aus diesem Grund ein wunderschönes Bild mit Wachsmalstiften. Für meine Ablage völlig unerheblich. Mit Kundenprojekten darf das aber nicht passieren. Deshalb gilt: Mamas Schreibtisch ist die verbotene Zone.

Deswegen habe ich eine Art “Bitte nicht stören” Schild. Wenn ich wirklich konzentriert arbeiten will (oder muss), dann setze ich einfach meine Kopfhörer auf und klinke mich damit einfach mal aus.

BONUS: gilt auch für mich

Ausgedehnte Lunchdates oder Frühstückstreffen sind die absolute Ausnahme und nicht die Regel.

Ich liebe den Luxus, teilnehmen zu können. Aber ich mache das nur, wenn ich danach auch wieder arbeiten kann. Kreativ sein fällt mir nach solchen Treffen schwer. Deswegen teile ich mir meine Arbeit bewusst für solche Treffen ein. Da mache ich dann lieber die Buchhaltung oder Ablage.

Wenn du abends noch etwas nacharbeitest, bereite die E-Mails vor, schicke sie aber erst morgens los. Ich nutze Spark, um Mails zeitverzögert zu verschicken. Achte auf deine Außenwirkung. Es sollte für deine Kunden nicht selbstverständlich sein, dass du dich abends an den Rechner setzt, sondern eine Ausnahme (die du dir auch extra bezahlen lässt).

Wenn du dir die Freiheit nimmst, abends noch zu arbeiten ist das deine Sache. Aber es sollte nicht zur Selbstverständlichkeit werden.

In meinen Briefings mache ich meine Kunden darauf aufmerksam, dass sich die komplette Timeline verschiebt, wenn sie selbst die Abgabetermine nicht einhalten. Ich hole das auf keinen Fall auf.

Das hat nichts mit Geld zu tun

Darauf bin ich jetzt ein paar mal angesprochen worden. Deswegen nehme ich diesen Punkt neu mit auf.

“Mareike, bei dir ist das etwas anderes: wenn du arbeitest, dann verdienst du ja auch Geld. Natürlich kannst du dir da andere Freiräume heraus nehmen, gerade gegenüber der Familie.”

NEIN. Das sage ich ganz deutlich. Ich verdiene nicht automatisch Geld, nur weil ich mich an den Schreibtisch setze. Das wäre wirklich zu schön.

Wenn ich schreibe (also für meinen Blog oder mein E-Book), dann verdiene ich damit exakt gar nichts. Mit Akquise verdiene ich auch nichts und wenn ich mich weiter bilde (das ist ein fester Bestandteil meiner Arbeitszeit), dann bezahlt mich dafür auch niemand.

Natürlich ist es inzwischen so, dass sich meine Arbeit oft auszahlt und auch bezahlt wird. Aber das ist nicht selbstverständlich und das weiß auch mein Mann 😉

So organisieren wir das in der Familie

Damit das bei uns reibungslos klappt, brauchen wir viel Absprache und ein paar nützliche Tools.

  • Gemeinsamer Kalender
    Ganz banal: wir haben uns gegenseitig die Google Kalender frei gegeben. So kann ich auch unterwegs einen Kundentermin vereinbaren, weil ich sehen kann, ob mein Mann die Kinder übernehmen kann oder selbst beruflich unterwegs ist.
  • Absprache
    Jeden Sonntag setzen wir uns für 10 Minuten zusammen und sprechen die kommende Woche ab.
    Wer ist beruflich unterwegs? Wer hat Abend-Termine? Muss abends zusätzlich gearbeitet werden? Oder samstags?
    Was steht für die Kinder an? Geburtstage? Wandertag?
    Wie und womit können wir uns gegenseitig unterstützen?
  • Familienrat
    Große Projekte spreche ich mit meinem Mann ab. Ich habe eine Kapazitätsgrenze und kann nicht beliebig Überstunden machen. Da war doch was: ach ja, die Kinder 😉
    Wir entscheiden gemeinsam, ob es eine einmalige Chance für meine Firma ist oder wir die Kohle gut brauchen können und ob es uns das wert ist, dass ich dafür 2 Samstage arbeiten muss.
  • Multitasking
    Mit Coach Tina arbeite ich schon seit 2017 ganz eng zusammen. Wir treffen uns einmal die Woche und besprechen, was ansteht. Wenn das länger dauert als geplant, schäle ich dabei schon mal die Birnen für das Mittagessen. Was gemacht ist, ist gemacht!
  • Handy aus!
    Mein Handy ist zu 99% des Tages lautlos. Ganz wichtige VIPs haben meine Festnetznummer (also der Kindergarten und mein Mann). So werde ich nicht ständig aus kreativen Phasen heraus gerissen. Hilft mir sehr. ich schaue 2-3 mal am Tag drauf, aber eben dann, wenn ich will und nicht, wenn es klingelt.
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